Die Bedeutung von Vitamin E in der Nutztierernährung

3. Weitere Auswirkungen auf die Parameter der Futtermittelqualität

Eine ideale Vitamin E-Anreicherung in der Nutztierernährung muss sowohl den physiologischen Bedarf der Tiere als auch besondere zusätzliche Anforderungen, wie zum Beispiel die Qualität der Nahrungsmittel tierischer Herkunft, berücksichtigen. Eine Vitamin E-optimierte Ernährung leistet einen bedeutenden Beitrag zur Erhaltung der Gesundheit von Nutztieren, ihrer Produktivität sowie ihrer Produktqualität und somit zur Rentabilität in der Tierproduktion.

Viele Studien belegen einen positiven Zusammenhang zwischen der Zugabe großer Mengen an Vitamin E zu Futtermitteln und einigen Kriterien für die Fleischqualität. Mit der Schlachtung des Tieres enden die Mechanismen zur Steuerung oxidativer Prozesse und es kommt zu oxidativen Reaktionen. Diese verursachen innerhalb weniger Tage deutliche Veränderungen der Eigenschaften des Fleisches. Zahlreiche Experimente haben gezeigt, dass hohe Vitamin E-Futtermittelzugaben einen hohen α-Tocopherol-Gehalt im Gewebe zur Folge haben. Daraus ergeben sich:


  • ein hoher Vitamin E-Gehalt im Gewebe
  • eine Verbesserung der oxidativen Stabilität von Fleisch und Fleischprodukten
  • eine intensivere und stabilere Fleischfarbe
  • eine zarteres Fleisch
  • bessere Lagereigenschaften
  • geringere Saftverluste

Von Peter Hoppe 1993 im Namen der BASF durchgeführte Versuche belegen die Anreicherung von Vitamin E in verschiedenen Geweben von Schweinen in Abhängigkeit der Vitamin E-Futtermittelzugabe (Abb. 6). Die höchste Vitamin E-Akkumulation tritt im Rückenfett und der Leber auf, gefolgt vom Herzen und der Rückenmuskulatur. Tierart, Futtermittelzusammensetzung, Verabreichungsdauer sowie Herkunft und Dosierung des Vitamin E haben einen wesentlichen Einfluss auf die Anreicherung in den Organen und im Gewebe. Laut Augustini und Freudenreich (1996) gewährleistet ein Vitamin E-Gehalt von 3,0 bis 3,5 mg/kg Muskelgewebe einen optimalen Oxidationsschutz. Andere Autoren empfehlen eine geringfügig höhere Vitamin E-Konzentration im Fleisch für eine optimale Fettstabilität.


Vitamin E-Konzentrationen im Gewebe von Schweinen im Verhältnis zur Vitamin E-Anreicherung des Futtermittels

Abbildung 6: Vitamin E-Konzentrationen im Gewebe von Schweinen im Verhältnis zur Vitamin E-Anreicherung des Futtermittels


Vor allem in den Zellmembranen integriertes α-Tocopherol wirkt als Antioxidans und reduziert dort das Risiko der Lipidperoxidation. Dies führt zu stabileren Zellmembranen, was eine verbesserte und stabilere Fleischfarbe zur Folge haben kann. Faustman et al. stellten 1989 einen engen Zusammenhang zwischen der Lipidperoxidation und dem Gehalt an Metmyoglobin in Rindfleisch fest. Die braune Verfärbung des Fleischs setzt nach der Oxidation von etwa 60 % des Myoglobins zu Metmyoglobin ein. Höhere Vitamin E-Konzentrationen in Fleisch und Fett infolge höherer Vitamin E-Zugaben führen zu einer deutlichen Verlangsamung der Fleischverfärbung.


Reduzierte Fleischsaftverluste

Zahlreiche Studien belegen die positiven Effekte der Zugabe großer Mengen von Vitamin E zu Schweinefutter und der Qualität von Schweinefleisch. So reagieren zum Beispiel stressempfindliche Schweinerassen mit dem Halothan-Gen ausgeprägter auf supranutritive Vitamin E-Dosierungen. Asghar et al. beobachtete 1991, dass das tiefgefrorene Fleisch von Schweinen, deren Futter 200 IU eines α-Tocopherolacetats pro kg zugesetzt worden war, nach 10 Tagen Lagerung unter Neonlicht bei einer Temperatur von 4 ºC geringere Saftverluste aufwies als das Fleisch von Schweinen, die lediglich 100 IU bzw. 10 IU per kg erhalten hatten (siehe Abb. 7). Wie bereits beim Rindfleisch wirkt sich die erhöhte Zugabe von Vitamin E auch hinsichtlich der Verfärbung von Schweinefleisch positiv aus.


Einfluss von Vitamin E-Zugaben auf den Saftverlust aufgetauten und unter Neonlicht gelagerten Schweinefleischs

Abbildung 7: Einfluss von Vitamin E-Zugaben auf den Saftverlust aufgetauten und unter Neonlicht gelagerten Schweinefleischs


Ungesättigte Fettsäuren in der Ernährung erhöhen den Bedarf

Der Gehalt an ungesättigten Fettsäuren spielt nicht für die Anreicherung der Futtermittel mit Vitamin E im Hinblick auf die Oxidationsprozesse im Fleisch eine Rolle. Die im Futter enthaltenen ungesättigten Fette und Öle erhöhen auch den Vitamin E-Bedarf der Tiere (Tabelle 4). Dies gilt insbesondere, wenn keine Vorkehrungen zur Vermeidung oder Reduzierung der oxidativen Ranzigkeit der Öle oder Fette im Futter ergriffen werden, beispielsweise durch die Beimischung synthetischer Antioxidanzmittel. Die Aufnahme ranziger Öle bzw. Fette kann bei den Tieren zum vollständigen Abbau der körperlichen Vitamin E-Vorräte und zu Vitamin E-Mangel führen. Daher sollte laut Muggli (1994) die Vitamin E-Dosierung pro Gramm ungesättigter Fettsären im Futter abhängig von der Anzahl der Doppelbindung um 0,13 bis 2,70 mg erhöht werden. Aufgrund des vorübergehenden Verbots von tierischen Fetten in Europa werden dem Mischfutter vermehrt pflanzliche Öle zugesetzt. Dies muss zur Vermeidung einer suboptimalen Vitamin E-Versorgung von Nutztieren mit negativen Auswirkungen auf deren Leistung und Gesundheit bei der Anreicherung von Futtermitteln mit Vitamin E berücksichtigt werden.


Tabelle 4: Erhöhter Vitamin E-Bedarf aufgrund ungesättigter Fettsäuren im Futter


(Muggli, 1994)
Doppelbindung Fettsäure Vitamin E-Bedarf (IU/g)
1 Ölsäure 18:1 0,13
2 Linolsäure 18:2 0,90
3 Linolensäure 18:3 1,35
4 Arachidonsäure 20:4 1,80
5 Eicosapentaensäure 20:5 2,25
6 Docosahexaensäure 22:6 2,70

Höchste Übergangsrate in Eiern

Besonders effektiv ist die Anreicherung von Vitamin E in den Eiern von Legehennen, wo sie im Vergleich zu Rindfleisch, Schweinefleisch, Geflügel oder Milch ein Vielfaches der Konzentration an Vitamin E beträgt. Die Erzeugnisse aus Vitamin E-angereicherten Eiern, wie zum Beispiel sprühgetrocknetem Eipulver, verfügen über eine verbesserte Fettstabilität und weisen während der Lagerung eine geringere Akkumulation von Thiobarbitursäure-reaktiven Substanzen auf, einem metabolischen Marker für die Oxidation in Nahrungsmitteln tierischer Herkunft.
Hauptgrund für die höhere Vitamin E-Konzentration in Eiern gegenüber Fleisch oder Milch ist die Tatsache, dass Legehennen bis zu 25 % des aufgenommenen Vitamin E an ihre Eier übertragen, im Gegensatz zu Schlachtrindern, Milchkühen, Mastschweinen und Masthähnchen, wo die Übergangsrate bei nur 1 % bis 2 % liegt (Tabelle 5).


Tabelle 5: Auswirkungen der Vitamin E-Zugaben auf den Vitamin E-Gehalt von Nahrungsmitteln und den Übergang von Vitamin E auf Nahrungsmittel tierischen Ursprungs


(Flachowsky, 2000)
Nahrungsmittel
tierischen
Ursprungs
Vitamine E-Zugabe
pro Tag oder kg
Futtermittel
Vitamin E-Gehalt
von Nahrungsmitteln
(mg/l oder mg/kg)
Übergangsrate der
Vitamin E-Zugabe in
Nahrungsmitteln (%)
Milch 50
+1000 mg/Tag
+3000 mg/Tag
1,2
1,8
2,0
---
1,2
0,5
Rindfleisch 40
+1000 mg/Tag
2,0
4,0
---
0,2
Schweinefleisch 20
+100 mg/kg
2,5
5,0
---
1,0
Hühnerfleisch 20
+100 mg/kg
2,0
6,0
---
2,0
Ei 20
+100 mg/kg
20
70
---
25

Aus den genannten Gründen sind unter den Nahrungsmitteln tierischer Herkunft Eier und Eiprodukte am besten geeignet, die menschliche Vitamin E-Aufnahme zu steigern.


Zusammenfassend lässt sich im Hinblick auf die Anreicherung von Tierfuttermitteln mit Vitamin E folgende Aussage machen:


  • Vitamin E ist eine wesentlicher, lipophiler Mikrozusatzstoff der Tierernährung mit einzigartigen Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit, Immunität und Gesundheit von Nutztieren sowie auf die Qualität von Produkten tierischen Ursprungs.
  • Synthetisches Vitamin E weist einen hohen Reinheitsgrad auf, enthält keine Pflanzenschutzmittel oder sonstige Umweltschadstoffe und ist gentechnikfrei.
  • Idealerweise berücksichtigt die Anreicherung von Futtermitteln mit Vitamin E sowohl den physiologischen Bedarf der Tiere als auch besondere zusätzliche Anforderungen. Eine Vitamin E-optimierte Ernährung leistet einen bedeutenden Beitrag zur Erhaltung der Gesundheit von Nutztieren, ihrer Produktivität sowie ihrer Produktqualität und somit zur Rentabilität in der Tierproduktion.

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