Gesündere Kühe mit mehr Vitamin E zum Laktationsstart

In den letzten fünf Jahrzehnten ist die Milchleistung unserer Kühe immer weiter gewachsen. Neben dieser eindrucksvollen Leistungssteigerung ist zeitgleich die Anfälligkeit für Krankheiten gestiegen. Höhere Vitamin E-Dosierungen zum Laktationsstart können hier einen wichtigen Beitrag für eine bessere Tiergesundheit leisten.

Parallel mit der weiter wachsenden Leistungssteigerung von Milchkühen verkürzt sich deren Nutzungsdauer immer mehr. Die meisten Milchkühe schaffen heutzutage durchschnittlich weniger als drei Laktationen. Die wesentliche Abgangsursache liegt darin, dass es zunehmend schwieriger fällt, die Kühe erneut trächtig zu bekommen. Viele Milchkühe müssen deshalb die Betriebe vorzeitig verlassen. Dabei hätte eine Verlängerung der Nutzungsdauer und somit der Lebensleistung neben der verbesserten Wirtschaftlichkeit der Milchproduktion auch ökologische Vorteile. So wird beispielsweise die aufwendige Zeit der Jungtieraufzucht ohne Milcherlös auf eine längere Zeit der Milchproduktion verteilt.


Ein großes Problem ist die bedarfsgerechte Fütterung der Milchkuh zu Laktationsbeginn. Hier steigt der Energiebedarf innerhalb weniger Tage stark an, während die Futteraufnahme, bedingt durch das finale Wachstum des Kalbes, bereits vor der Kalbung zurückgeht. So gelangt die Kuh bereits wenige Tage vor der Kalbung in eine negative Energiebilanz. Eine angepasste Fütterung beugt dieser prekären Situation vor. Neben Managementmaßnahmen wie zum Beispiel eine angepasste Vorbereitungsfütterung, Phasenfütterung in der Laktation sowie optimale Grund- und Kraftfutterqualitäten, gilt es in erster Linie jedoch, eine wiederkäuergerechte Ration zu sichern und anschließend den Energiegehalt bedarfsdeckend einzustellen. Zusätzlich können bestimmte Futterzusatzstoffe wie zum Beispiel Propylenglykol, konjugierte Linolsäure (CLA) aber auch Vitamine wie vor allem Vitamin E die Kuh während der Transitphase unterstützen.


Vitamin E – Das wichtigste Antioxidans

Vitamine sind organische Verbindungen, die für landwirtschaftliche Nutztiere in kleinsten Mengen für die Erhaltung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit notwendig sind. Eine ungenügende Versorgung mit Vitaminen kann zu Funktionsstörungen führen. Während in der landwirtschaftlichen Praxis echte Vitaminmangelversorgungen von Nutztieren nur noch selten beobachtet werden, sind suboptimale Vitaminzufuhren oder teilweise Unterversorgungen dagegen häufiger anzutreffen. Diese können nicht nur leistungsbegrenzend wirken. Sie verursachen ebenso Entwicklungsstörungen, setzen die Widerstandsfähigkeit gegen Infektionen und Stressfaktoren herab und wirken sich nachteilig auf Fruchtbarkeit und Reproduktion der Tiere aus.


Vitamin E, das wichtigste Antioxidans im tierischen Organismus, ist in der Lage, freie Sauerstoffradikale abzufangen, wodurch sich seine wesentlichen Eigenschaften im Stoffwechsel der Milchkuh ableiten lassen. Es ist bekannt für die Erhaltung der Tiergesundheit durch eine verbesserte Immunität und für seine positiven Einflüsse auf Fruchtbarkeit und Stressempfindlichkeit, wofür die Milchkühe gerade zu Laktationsstart sehr empfänglich sind. Neben der Deckung des physiologischen Bedarfs der Tiere (Tabelle 1) ist es somit sinnvoll, die Tiere im Dienste einer verbesserten Tiergesundheit mit höheren Vitamin E-Dosierungen zu versorgen.


Tabelle 1: Empfehlungen zur Vitamin E-Versorgung


Nutztier Empfohlene Vitamin E-Versorgung
Saugkälber 80 – 120 IE/kg Milchaustauscher
Milchkühe (laktierend) 500 – 1000 IE je Tier und Tag
Milchkühe (trockenstehend) 500 IE je Tier und Tag
Zuchtkühe 100 – 150 IE je Tier und Tag
Mastbullen 200 – 300 IE je Tier und Tag
Aufzuchtrinder 75 - 100 IE je Tier und Tag

Vitamin E verbessert Eutergesundheit

Eine Studie aus den USA (Weiss und Mitarbeiter, 1997) zeigte eine bemerkenswerte Verminderung des Auftretens von Mastitis bei Milchkühen um bis zu 80%, wenn diese mit 1000 IE oder 4000 IE anstatt mit 100 IE Vitamin E je Tier und Tag versorgt wurden (Abb. 1). Bei der ersten Kalbung scheinen Kühe in dieser Hinsicht stärker zu reagieren als bei späteren Kalbungen.


Auswirkungen erhöhter Vitamin-E Dosierungen auf die Häufigkeit klinischer Mastitis und auf die Trockenmasseaufnahme von frischlaktierenden Milchkühen (unterschiedliche Buchstaben a-c bzw. A-C kennzeichnen signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen, Weiss und Mitarbeiter, 1997).

Abbildung 1: Auswirkungen erhöhter Vitamin-E Dosierungen auf die Häufigkeit klinischer Mastitis und auf die Trockenmasseaufnahme von frischlaktierenden Milchkühen (unterschiedliche Buchstaben a-c bzw. A-C kennzeichnen signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen, Weiss und Mitarbeiter, 1997).


Vitamin E verbessert Fruchtbarkeit

Vitamin E beeinflusst aber nicht nur die Eutergesundheit. Genauso deutliche Hinweise gibt es bezüglich seiner Wirkung auf die Fruchtbarkeit der Kühe. Neben einer Verminderung des Auftretens von Nachgeburtsverhaltungen, berichtet die Wissenschaft über eine schnellere Rückkehr zur Brunst nach der Abkalbung von 60 auf 42 Tage. Zudem konnte eine Verkürzung der Zeit bis zur ersten Besamung von 71 auf 62 Tage beobachtet werden, wenn die Ration der trockenstehenden Kühe mit täglich 1000 IE Vitamin E über 42 Tage ergänzt wurde.


Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es in Anbetracht einer verbesserten Eutergesundheit sinnvoll ist, vor allem Färsen aber auch frischlaktierenden Milchkühen höhere Vitamin E-Dosierungen zu verabreichen. Diese Maßnahme verkürzt gleichzeitig die Zeit bis zur ersten Brunst sowie zur ersten Besamung. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass erhöhte Vitamin E-Dosierungen besonders Färsen ebenso wie Milchkühe im kalbenahen Zeitraum sinnvoll unterstützen, gesund erhalten und sie damit länger im Bestand halten.

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