Fütterungsgruppen steigern Effizienz bei Milchviehherden

Die Intensivierung der Milchviehhaltung in den letzten Jahrzehnten und die damit verbundene Leistungssteigerung erfordert eine eng am Bedarf ausgerichtete Fütterung der Milchkühe. Nur auf diese Weise wird man den hohen Milchleistungen und Fruchtbarkeitsanforderungen während der Laktation gerecht. Die Einteilung von Milchvieherden in Fütterungsgruppen mit unterschiedlicher Nährstoffversorgung bietet hierzu eine effiziente Lösung.

Milchkühe stellen unterschiedliche Anforderungen an die Fütterung im Laktationsverlauf. In den ersten Laktationswochen steigt die Milchleistungskurve stark an und fordert eine energie- und proteinreiche Fütterung. Liegt hier ein Energiemangel vor, können Probleme bei Tiergesundheit und Fruchtbarkeit auftreten. In der Spätlaktation sind die Kühe in einer ausgeglichenen Energiebilanz und aufgrund der niedrigeren Leistung muss die Energiedichte in der Ration nicht mehr so hoch sein wie bei frischmelkenden Kühen.


Die Fütterung mit einer Totalen Mischration (TMR) gehört heute in der Milchviehhaltung zur gängigen Praxis. Dafür sprechen die geringere Futterselektion und der ausgeglichenere Pansen-pH-Wert durch die Konstanz der Ration. Aber auch die Kontrolle durch Wägung und Analytik mit Hilfe der Misch- und Fütterungstechnik sowie die Vorteile in Bezug auf die Arbeitswirtschaft sind Argumente für die TMR.


Immer wieder wird diskutiert, ob alle laktierenden Kühe mit derselben Ration gefüttert werden sollen oder ob die Aufteilung der Herde in Leistungsgruppen sinnvoller ist. Unterschiedliche Fütterungsgruppen entsprechen mehr den Bedürfnissen der Kühe und ermöglichen eine effizientere Milchviehhaltung. Der Milchertrag wird gesteigert, die Futterkosten minimiert und somit die Wirtschaftlichkeit der Milchviehhaltung erhöht.


Spezialfuttermittel zur Unterstützung

Die Fütterung bildet im Milchviehbetrieb den größten Kostenfaktor. In erster Linie ist das Grundfutter entscheidend. Eine schmackhafte und hochverdauliche Silage ist die Grundlage für eine qualitativ hochwertige Milchviehration und eine gesunde Wiederkauaktivität. In der intensiven Milchviehhaltung mit hohen Milchleistungen gehört der Einsatz von Kraftfutter und Spezialfuttermitteln zur gängigen Praxis, um eine optimale Versorgung der hochleistenden Tiere zu gewährleisten. Spezialfuttermittel wie ß-Carotin, konjugierte Linolsäuren oder Propylenglycol können Versorgungslücken schließen und die Fütterung mit Grund- und Kraftfutter unterstützen. An diesen Futtermitteln sollte einerseits nicht gespart werden, und andererseits sollte der Landwirt diese Spezialfuttermittel auch nicht im Überfluss einsetzen.


Die Zusammensetzung der Ration muss sich in jedem Fall am Bedarf der Kühe im jeweiligen Laktationsstadium orientieren. Wird zu Beginn der Laktation zu viel Kraftfutter gefüttert, besteht die Gefahr der Pansenazidose. Auf der anderen Seite führt zu wenig Kraftfutter zur Unterversorgung der frischlaktierenden Kühe, was sich auf die Fruchtbarkeit und die Tiergesundheit negativ auswirken kann. Bei einphasiger Fütterung können vor allem in der Spätlaktation zu hohe Kraftfuttergaben zur Verfettung der Tiere führen, somit den nachfolgenden Laktationsstart erschweren und zur Entstehung von Ketose beitragen. Der Luxuskonsum der altmelkenden Kühe ist dabei nicht nur ein Kostenfaktor, sondern auch ein umweltrelevanter Aspekt. Durch die höhere Nährstoffausscheidung der Tiere wird überschüssiges Futterprotein ungenutzt wieder ausgeschieden.


Effizienz und Wirtschaftlichkeit verbessert

Milchkühe lassen sich je nach Laktationsstadium optimal versorgen, wenn der Landwirt seine Milchviehherde in Fütterungsgruppen einteilt. Eine Gruppe bilden hier beispielsweise die trockenstehenden Kühe, die optimal auf die bevorstehende Laktation vorbereitet werden können. Die laktierenden Kühe können abhängig von der Größe des Milchviehbetriebs, des Management und der technischen Ausstattung in mehrere Fütterungsgruppen eingeteilt werden.


Nach Ergebnissen einer Studie der Universität von Wisconsin/USA aus dem Jahr 2014 steigert die Einteilung zusätzlicher Fütterungsgruppen die ökonomische und ökologische Effizienz von Milchviehbetrieben deutlich. Das Einkommen im Verhältnis zu den Fütterungskosten (IOFC = Income over Feed Costs) verbesserte sich, je mehr Fütterungsgruppen gebildet wurden, wie Abbildung 1 am Beispiel von 5 verschiedenen Milchviehbetrieben zeigt.


Wirtschaftlichkeit durch zusätzliche Fütterungsgruppen anhand von 5 Milchviehbetrieben

Abb. 1: Wirtschaftlichkeit durch zusätzliche Fütterungsgruppen anhand von 5 Milchviehbetrieben (IOFC = Income over Feed costs €/Kuh/Jahr)


Generell und im Vergleich zu nur einer Fütterungsgruppe verbessert sich die Wirtschaftlichkeit berechnet am IOFC mit jeder zusätzlichen Fütterungsgruppe bei den laktierenden Kühen. Auch wenn der Gewinn von den markt- und betriebsspezifischen Rahmenbedingungen beeinflusst wird, ist das berechnete Einkommen nach Futterkosten (IOFC) mit drei anstatt nur einer Fütterungsgruppe um mehr als 40 € höher pro Kuh und Jahr. Der Gewinn durch die Einteilung in mehrere Fütterungsgruppen übersteigt sogar sehr deutlich mögliche Mehrkosten durch den höheren Managementaufwand, zusätzliche Arbeitskräfte oder Maschineneinsatz und die Milchverluste durch Umgruppierungen.


Darüber hinaus bestätigt die Studie sowohl eine Steigerung der Energieeffizienz als auch der Eiweißeffizienz durch zusätzliche Fütterungsgruppen. Die Tiere können durch die zusätzlichen Gruppen besser entsprechend ihres Bedarfs während des Laktationsstadiums gefüttert werden. Die Effizienzsteigerung bringt nicht nur einen weiteren ökonomischen Effekt mit sich, sondern auch einen ökologischen Effekt. Der Luxuskonsum wird verringert und die Umwelt geschont. Eine wichtige Rolle für die Anzahl der Fütterungsgruppen spielt die Herdengröße. Generell empfehlen die Autoren nicht mehr als 5 Fütterungsgruppen. In kleineren Herden (hier mit 331 Tieren) sind mehr als 3 Gruppen nicht sinnvoll.


Automatische Fütterungssysteme als Alternative

Für kleinere Betriebe gibt es sinnvolle Alternativen zur Einteilung von Fütterungsgruppen. Hier ist eine Gruppenbildung aufgrund betrieblicher Bedingungen wie mangelnder Verfügbarkeit von Maschinen, Gebäuden, Arbeitskapazität oder den höheren Managementaufwand oft nicht möglich. Als Möglichkeit bietet sich hier eine stärkere Automatisierung der Fütterung an. Die Umstellung auf Automatische Fütterungssysteme (AFS) muss jedoch gut durchdacht und geplant sein. Die Vorteile, die sich hieraus ergeben, sind eine leistungsbezogene und bedarfsgerechte Fütterung in kleineren bis mittleren Beständen (120–150 Kühe), Flexibilität und die Einsparung von Arbeitszeit. Bei Neubauten ist die Investition in AFS aufgrund der Baukosteneinsparung besonders wirtschaftlich.


Eine weitere Alternative zur Einteilung von Fütterungsgruppen ist die tierindividuelle Fütterung mit Transpondertechnik über Kraftfutterstationen oder integrierte Melkstandfütterung. Auf diese Weise können die Kühe individuell und bedarfsgerecht gefüttert werden. Mit unterschiedlichen Techniken lassen sich hier nicht nur Energiefuttermittel, sondern auch Spezialfuttermittel in kleinen Mengen präzise zudosieren.


Zusammenfassend wird durch die Einteilung von mehreren Fütterungsgruppen und die dadurch mögliche bedarfsgerechte Fütterung der Milchkühe die Ökonomie, die Ökologie und die Tiergesundheit verbessert. Einerseits werden die Kühe zu Beginn der Laktation bedarfsgerecht versorgt, und andererseits wird eine Überversorgung der altmelkenden Kühe vermieden. Das wirkt sich positiv für die ganze Laktation aus und hält die Kühe in bestmöglicher Körperkondition. Darüber hinaus scheiden die Kühe weniger Nährstoffe ungenutzt aus, was der Umwelt zu Gute kommt. Die Einteilung in Gruppen stellt höhere Ansprüche an Management und Organisation von Milchviehherden und muss an die Betriebsgröße und dessen Rahmenbedingungen angepasst werden. Hier gibt es Grenzen, die die Wirtschaftlichkeit einschränken. Generell gilt aber, dass sich das Gruppieren der Kühe rechnet.

Lutrell Combi Calculator

Start

Product Catalog

New issue January 2014
Download (doctype pdf, 2 mb)

Animal Nutrition brochure

Download (doctype pdf, 11 mb)
Download (doctype pdf, 1 mb)